Gender in der Medizin: Frauen sind anders krank

Gendermedizin

Bisher wurde in der Medizin die Perspektive auf Frauen zu wenig genutzt

Frauen und Männer erleben ein und dieselbe Krankheit unter Umständen völlig unterschiedlich. Ein Herzinfarkt beispielsweise löst bei Männern die bekannten Symptome aus: Schmerzen im linken Arm, Angstzustände. Bei Frauen äußert sich ein Herzinfarkt dagegen anders: durch starkes Unwohlsein, Schmerzen im Rücken oder Bauch rechts, oder auch Übelkeit, Schwindel und Erschöpfung.

Das große Problem dabei? Frauen erkennen ihren Infarkt womöglich nicht schnell genug, um reagieren zu können; ja selbst das medizinische Personal ist unter Umständen nicht darauf geschult, die typisch weiblichen Symptome zu erkennen. Die Konsequenz: Herzinfarkte bei Frauen werden später erkannt und später behandelt.

Medizinerinnen wie Dr. Vera Regitz-Zagrosek fordern daher eine „Gender-Medizin“, die sowohl das biologische Geschlecht (sex) als auch das soziale Geschlecht (gender) in den Blick nimmt und Frauen wie Männern zu gute kommen könnte. Die gesellschaftlichen Zuschreibungen haben z.B. Einfluss auf unser Gesundheitsverhalten:  Frauen werden länger auf einen Termin warten gelassen, Männer dagegen verdrängen scheinbare „Wehwehchen“.

Das biologische Geschlecht ist ebenso ein Faktor- lange Zeit wurde in medizinischen Studien der ‚Einheitsmensch‘ untersucht: jung, weiß, männlich. Die Ergebnisse wurden oft einfach auf den Rest der Bevölkerung übertragen. Daher braucht es mehr Daten über weibliche Körper, so Professorin Sylvia Thun, Direktorin für E-Health und Interoperabilität am Berliner Institut für Gesundheitsforschung der Stiftung Charité. Sie sagt, dass Patient*innen diese Daten über Gesundheits-Apps an Wissenschaftler*innen übermitteln können.

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