„Kinder für Kinder“ – Käthe Kruse revolutioniert die Puppenwelt

Aufgewachsen in ärmlichen Verhältnissen träumte Käthe Kruse schon früh von Ruhm und Bekanntheit auf der Bühne. Schlussendlich fand sie den Erfolg, wo sie ihn selbst nie erwartet hätte.

Geboren als Katharina Simon im Jahr 1883 verbrachte Käthe Kruse ihre Kindheit bei ihrer alleinerziehenden Mutter in Breslau. Dort entdeckte sie bei zahlreichen Theaterbesuchen ihre Leidenschaft für das Schauspiel. Nach einer kurzen Ausbildung erhielt sie mit bereits 17 Jahren ein prestigeträchtiges Engagement am Berliner Lessingtheater. Durch ihre Arbeit lernte sie den Bildhauer Max Kruse, ihren späteren Ehemann, kennen. Gemeinsam bekamen sie über die Jahre hinweg insgesamt sieben Kinder.

Während ihrer zweiten Schwangerschaft entschloss sich Kruse nach vier Jahren in Berlin, ohne ihren Partner in die italienische Schweiz nach Ascona zu ziehen. Dort schlug die Geburtsstunde für ihren Erfolg: Um den Wunsch ihrer Tochter nach einer Puppe zu erfüllen, legte Käthe Kruse selbst Hand an. Anders als bei den damaligen Porzellanpuppen üblich, orientierte sie sich dabei bewusst an den Wünschen und Bedürfnissen von Kindern. Sie gab ihren Puppen weiche Körper und freundliche Gesichter, die sie ihren eigenen Kindern nachempfand.

Was in der Schweiz in eher rudimentärer Form seinen Anfang nahm, fand kurze Zeit später mit stetigen Verbesserungen auf Ausstellungen in Berliner Warenhäusern begeisterte Aufmerksamkeit. Kruse wurde Unternehmerin. Sie eröffnete in Bad Kösen eine Werkstatt mit über 100 Mitarbeiter*innen, um der Flut an Aufträgen gerecht zu werden. Sie blieb dabei aber ihrem Grundprinzip aus Handbemalung und hohem Qualitätsanspruch treu. Auch aus Amerika kamen zahlreiche Anfragen nach dem begehrten Spielzeug.

Doch der Erfolg hat nicht nur gute Seiten: Durch die große Nachfrage begannen bald auch Konkurrenten ihre Puppen zu kopieren. Billige, industriell gefertigte Puppen bedrohten die Geschäftsgrundlage. Doch neben ihrem künstlerischen Sinn bewies Käthe Kruse auch unternehmerisches Geschick. 1925 verteidigte Kruse in einem Rechtsstreit Marken- und Urheberrecht an ihren Puppen gegen die Großfabrikanten Bing. Käthe Kruse blieb bis ins hohe Alter im Unternehmen aktiv, das aufgrund der Verstaatlichung der Werkstätten in der DDR nach Donauwörth umgesiedelt wurde. Sie verstarb 1968 in Murnau bei München.

Käthe Kruse bewies in ihrem Leben einen unglaublichen Facettenreichtum: Nach einer kurzen aber erfolgreichen Schauspielkarriere baute sie als siebenfache Mutter ein weltweit erfolgreiches Unternehmen auf, das sie erfolgreich durch Wirtschaftskrisen und Kriege führte. Ihre damaligen Designs werden auch heute noch auf den allseits bekannten Puppen verwendet.

Quelle (zuletzt abgerufen am 15.12.2022):

https://www.mdr.de/geschichte/zeitgeschichte-gegenwart/kaethe-kruse-biografie-puppen-unternehmerin-102_page-0_zc-6615e895.html

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.